„Mehr Kommunikation! Mehr Unterstützung!“ - Scharfe Kritik an Coronapolitik

Bessere Kommunikation zwischen Ministerien, Schulen und Lehrern, eine bessere Ausstattung für die Schulen und ein kluges Digitalisierungskonzept, das waren Forderungen beim Podiumsge-spräch „Krisenfestes Klassenzimmer“, zu dem SPD-Landtagskandidatin Alexandra Nohl eingela-den hatte. Denselben Titel trägt auch ein Thesenpapier der SPD Landtagsfraktion, das innovative Lösungen für den Umgang von Schulen mit der Pandemie vorstellt. Alexandra Nohl will das hoch-aktuelle Thema in ihrem Wahlkreis vorantreiben.

Bei der Veranstaltung in der Gemeinschaftsschule Waghäusel schlug der Landtagsvorsitzende der SPD-Fraktion und frühere Kultusminister Andreas Stoch (SPD) vor, „multiprofessionelle Teams“ für den weiteren Umgang von Schulen mit der Pandemie einzusetzen: Nur durch die gemeinsame Arbeit von Lehrer*innen und Expert*innen anderer Fachbereiche wie beispielsweise der IT-Branche, könnten wirksame Konzepte entwickelt werden. Die Digitalisierung sei ein wichtiger Schritt auf dem Weg deutsche Schulen „krisenfest“ zu machen. Funktionierende Endgeräte für Schüler*innen und Lehrer*innen seien dabei ein Anfang, doch nur eine deutliche Fortbildungsof-fensive für mehr digitale Kompetenz mache diese sinnvoll, so der Landtagsabgeordnete.

Aus eigener Erfahrung berichtete Alexandra Nohl, Konrektorin an der Dietrich-Bonhoeffer-Schule in Bruchsal-Heidelsheim, dass die Kommunikation zwischen Lehrer*innen und den Ministerien „mehr als unzureichend“ funktionierte. Teilweise hätten die Lehrkräfte Änderungen der Regeln erst aus den Medien erfahren - mit viel zu wenig Vorbereitungszeit. „Diese Kommunikation muss bes-ser und beidseitig werden“, so Nohl und forderte weiter: „Lehrer*innen müssten in der Lage sein, erforderliche Maßnahmen durchzusetzen und rückzumelden, was gut funktioniert und was im Klassenzimmer nicht umsetzbar ist.“ Doch auch bei den Familien müsse man ansetzen, denn ge-rade in Familien mit mehreren Kindern seien Ressourcen für das digitale Lernen knapp, was für das „digitale Klassenzimmer“ in Coronazeiten fatale Folgen haben könne. „Hier bedarf es dringend der Unterstützung“, so Alexandra Nohl.

Christiane Naas, Leiterin der Gemeinschaftsschule, sowie die Lehrerinnen Sabine Vogelbauer und Andrea Götzmann informierten ihrerseits bei der Veranstaltung über die Herausforderungen der Coronazeit auf Seiten der Lehrkräfte. Gerade die Kommunikation untereinander und mit den Schü-ler*innen sei dabei eine große Hürde gewesen - nur mit viel Nachhaken und Nacharbeit konnte sichergestellt werden, dass alle Informationen bei den Schülern angekommen seien, berichtet Götzmann. Schülervertreter Tim Schowalter erzählt derweil von einem hohen Maß an Selbstorga-nisation und überlasteten Onlineplattformen, auf denen die Lerninhalte hochgeladen wurden. Da-her fordert Stefanie Vogelbacher eine einheitliche Bildungsplattform für Baden-Württemberg: „Alle müssen die gleichen Mittel haben“, appelliert sie.

Gleiche Mittel und Unterstützung für alle - das war etwas, wobei es generell in der Krisenzeit fehl-te. Landtagsabgeordneter Stoch kritisiert, dass anfangs nur die Abschlussjahrgänge im Blick gehalten wurden, erst danach kümmerte man sich um andere Klassenstufen. Alexandra Nohl er-lebte an ihrer Schule hautnah mit, dass gerade Grundschulen unzureichend ausgestattet wurden. So habe es beispielsweise keine Masken für Schüler*innen und Lehrer*innen gegeben. Außerdem kritisierte sie, dass die Politik keine konkreten Lösungen für ältere Lehrer*innen liefere, die auf-grund ihres Alters zur Risikogruppe zählten und daher nicht unterrichten könnten.

Besonders die ersten paar Tage seien für die Lehrer*innen schwierig gewesen, so Christiane Naas. „Wie überbrückt man die erste Zeit, bis echte Lösungen ausgearbeitet sind?“, fragten sich die Lehrkräfte, die sich mit einer nie da gewesenen Situation konfrontieret sahen - und dabei von der Regierung im Stich gelassen wurden. „Die Schulen haben viel von dem geleistet, was eigent-lich das Ministerium hätte regeln sollen“, kritisiert Andreas Stoch das Vorgehen der Regierung. Elternvertreter Andreas Adler betont, dass die kommende Digitalisierung nicht ebenso auf den Schultern der Lehrer abgeladen werden dürfe - und mahnt, dass auch die Digitalisierung kein „ma-gisches Hilfsmittel“ sei, das alle Probleme löse.

Aus der Debatte gingen vor allem Forderungen nach mehr Digitalisierung hervor. Dafür sei es wichtig, Finanzmittel aus dem Bund zu beziehen, so Alexandra Nohl in ihrem Schlusswort. „Die Digitalisierung der Schulen, wird den Präsenzunterricht nicht dauerhaft ersetzen können, sondern nur ergänzen.“ Außerdem müssten Ganztagsschulen besser gefördert werden und die Bildungs-einrichtungen besser ausgestattet und renoviert werden, zum Beispiel mit Datenleitungen für die Schulen. Trotz allen Bestrebungen das digitale Lernen so reibungslos wie möglich zu gestalten, sei es wichtig den Präsenzunterricht mit guten Hygienekonzepten und Vorsichtsmaßnahmen auf-recht zu erhalten - damit Deutschlands Klassenzimmer krisenfest werden.

Bildquelle: Alexandra Nohl