Kein Mensch darf benachteiligt werden!

Besucht man die Internetpräsentation der Lebenshilfe Bruchsal-Bretten ist man sofort "mitten im Leben – miteinander leben", so der Slogan auf der Startseite. Menschen lächeln den Betrachter an, der digitale Lebens-Freudenfunke zündet sprichwörtlich.

Ähnlich fühlt es sich für SPD-Landtagskandidatin Alexandra Nohl an beim Spaziergang über das Gelände der Lebenshilfe für Menschen mit Behinderungen, Bezirk Bruchsal-Bretten e.V., Im Fuchsloch 5 in Bruchsal. Gemeinsam mit Bernd Gärtner, Geschäftsleiter für den Bereich Wohnen, schlendert sie entlang des Hauptverwaltungs- und den anschließenden Bereichsgebäuden, spickelte dann und wann durch ein Fenster und erhascht einen Blick in die Werkstatt oder in Wohngruppen. Das ein oder andere bekannte Gesicht lächelt zurück und winkt.

„Wir haben weitere Standorte und beschäftigen rund 830 Mitarbeitende", sagt Bernd Gärtner zufrieden. Logistisch sei dies gerade eine Herausforderung, Stichwort "Impfchaos", so der Geschäftsleiter. Niemand habe an die Wohnheime gedacht und sich Gedanken gemacht über die Situation von Menschen mit Beeinträchtigung.

Unter dem Dach des Vereins werden erwachsenen Menschen mit Behinderungen Arbeitsplätze geboten. Außerdem die Möglichkeit eine geeignete Wohnform innerhalb der Einrichtung zu finden. „Vor Ort gibt es einen Werkstattrat und einen Heimbeirat, der den Corona-Maßnahmen, wie etwa der Kurzarbeit, zustimmen muss", informiert Bernd Gärtner. Durch die Corona bedingte Schließung der Werkstätten, die unter anderem Zulieferer des Unternehmens SEW-Eurodrive GmbH & Co KG oder BMW sind, klafft ein Defizit von 560.000 Euro. Von der Politik fühlt sich die Lebenshilfe allein gelassen.

„Das Bundesteilhabegesetz stärkt Menschen mit Behinderungen im Arbeitsleben und in der selbstbestimmten Lebensführung", argumentiert Alexandra Nohl. Gärtner bestätigt dies: „Das Gesetz ist gut, wirft aber noch immer Fragen auf und kostet viel." Ein Beispiel ist die „Leichte Sprache". Leichte Sprache ist eine vereinfachte Form des Deutschen und ein Instrument der Barrierefreiheit. Ein Text besteht nur aus kurzen Sätzen und einfachen Wörtern. Außerdem helfen Bilder und Symbole, den Inhalt besser zu verstehen. „Für Menschen, die aus Gründen eine geringe Lesefähigkeit besitzen ist das ein Segen", freut sich die Sozialdemokratin, die als Konrektorin und Lehrerin versteht, dass diese Hilfe zum Leseverständnis ein weiterer Schritt ist in ein selbstbestimmtes Leben. Dazu müssen sämtliche amtliche Formulare überarbeitet und angepasst werden, auch Wahlunterlagen. Eine Kostenschätzung gibt es dazu bislang nicht.

„Kein Mensch darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden“, fordert Alexandra Nohl. Im Landtag Baden-Württemberg wird sie sich dafür stark machen, dass sich Menschen mit kognitiven Einschränkungen Informationen eigenständig erschließen können.

Bildquelle: Alexandra Nohl