Zurück in die Mitte

Das Adjektiv ‚obdachlos‘ beschreibt in einem einfachen Wort ein menschliches Schicksal. Es bedeutet ein Leben ganz unten. Obdachlosigkeit ist ein Teil der Wohnungslosigkeit. Obdachlos ist, wer weder einen festen Wohnsitz noch Unterkunft hat, auf der Straße, im Park, an der Bushaltestelle oder in der U-Bahnstation übernachtet.

„Kein Dach über dem Kopf, kaum Essen, keine Toilette, ist für obdachlose Menschen tagtägliche Realität und jetzt im Winter ganz besonders gefährlich“, beschreibt SPD-Landtagskandidatin Alexandra Nohl sichtlich bewegt das Leben voller Not, das in der Mitte unserer Gesellschaft existiert. Nach Kenntnis der BAG Wohnungslosenhilfe e.V. (BAG W) sind in diesem Winter 2020/2021 bereits siebzehn wohnungslose Menschen erfroren. Menschen ohne Unterkunft brauchen dringend Hilfe und Schutz!

Beim Besuch des Itzel-Hauses, einem Wohnheim für Menschen in akuten Notlagen, informierte sich die 45-jährige Sozialdemokratin bei Wohnheim-Leiter Sebastian Benz über die Hilfsangebote der vom Caritasverband Bruchsal getragenen Einrichtung. „Unsere Unterstützung ergibt sich aus Sozialgesetzbuch 12. Eine klassische Obdachlosenunterkunft sind wir dennoch nicht“, erklärt er. Die derzeit 30 Bewohner im Itzel-Hauses und in einer zusätzlich angemieteten Wohnung sind nicht lediglich untergebracht. Vielmehr steht bei jedem Einzelnen die individuelle Förderung im Vordergrund für den Weg zurück in „die eigenen vier Wände“ und ein regelmäßiges Beschäftigungsverhältnis.

Den Erfolg des Konzepts bestätigt eine ehemalige Bewohnerin im Gespräch mit Alexandra Nohl. Sie war für drei Monate zu Gast im Julius Itzel-Haus. Die Mutter von zwei Kindern wurde zuerst Frührentnerin, dann kam die Trennung vom Partner und plötzlich ging die Spirale abwärts. „Seit letzten September habe ich eine eigene Wohnung“, erzählt sie stolz. Vom Rand der Gesellschaft zurück in die Mitte. Dem Itzel-Haus und den engagierten Mitarbeiter*innen fühlt sie sich sehr verbunden.

Beim Stichwort „Wohnungssuche“ geht ein Ruck durch Sabina Stemann-Fuchs. Die Vorstandsvorsitzende des Caritasverbands Bruchsal vertritt beim Vor-Ort-Treffen mit der Landtagskandidatin den Träger des Wohnheims in der Julius-Itzel-Straße 1. „Der Wohnungsmarkt ist angespannt. Das spüren wir überdeutlich“, bestätigt sie, was Alexandra Nohl zu einem ihrer Schwerpunkt-Themen erklärt hat, nämlich die Forderung nach mehr bezahlbarem Wohnraum. Viele Wohnungen seien heruntergekommen, würden zunächst, in Eigeninitiative, renoviert, bevor eingezogen werden kann und ein neues Leben beginnt, sagt Stemann-Fuchs.

In der Corona-Pandemie erhält das Itzelhaus Sonderzahlungen aus Landesmitteln. Die Angst, dass Gelder nach der Krise gekürzt werden, begleitet die Menschen im Wohnheim jeden Tag, zumal das politische Interesse als eher gering wahrgenommen wird. Für Alexandra Nohl ist das völlig unverständlich. „Um die Menschen vom Rand in unsere Mitte zu holen, braucht es eigene Initiativen und natürlich auch staatliche Hilfen!“

Mit Blick auf den prognostizierten Kälteeinbruch der nächsten Tage bittet SPD-Landtagskandidatin Alexandra Nohl alle Bürgerinnen und Bürger: „Schauen Sie nicht weg und melden, die sich im Freien aufhalten und deren Leben durch Kälte bedroht ist. Bitte rufen Sie im dringenden Fall den Notruf.“

Bildquelle: Alexandra Nohl