Im Gespräch mit Bürgermeister Martus in Philipsburg

„Bürgermeistergespräche haben immer den es-gibt-noch-was-zu-besprechen-Effekt“, erklärt Landtagskandidatin Alexandra Nohl und schmunzelt. Stefan Martus, Bürgermeister von Philippsburg, und Nohl trafen sich inzwischen zum dritten Mal. Die erste Begegnung gabs bei einer Informationstour über die Rheininsel Elisabethenwörth, anschließend ein erstes Vier-Augen-Gespräch und nun ein Gedankenaustausch zur Situation in Philippsburg .

Eingebettet in die Rheinauen liegt die Stadt an der Grenze zur Pfalz und ist schon deshalb eine Reise wert, weil zahlreiche Naturschutzgebiete, das Naherholungsgebiet Elisabethenwörth und sage und schreibe 13 Seen zum Aufenthalt draußen in Flora und Fauna einladen.

Philippsburg zählt rund 13.600 Einwohner*innen. Das Themenspektrum reicht entsprechend weit vom stillgelegten Kernkraftwerk, über den Ausstieg aus der Kernenergie, hin zur Energietransformation und schließlich dem Zwischenlager für schwach- und mittelradioaktive Abfälle auf dem KKP-Betriebsgelände, das im Verständnis der Bevölkerung auch das Endlager sein wird, resümiert Martus.

Der durch die Schließung des Reifenwerks Goodyear verursachte Schock ist in Philippsburg noch immer spürbar. 2016 verkündete Goodyear die Standortaufgabe und stellte die Produktion im Juli 2017 ein. 2019 übernahm erfreulicherweise die in der Nachbarstadt Waghäusel beheimatete Wirth-Gruppe Teile des Geländes der ehemaligen Reifenfabrik um Gewerbeflächen zu schaffen, die sowohl wirtschaftlich attraktiv als auch nachhaltig sind. Einer Firmenmitteilung zufolge wird dort nun eine der größten Fotovoltaikanlagen in Baden-Württemberg entstehen, was Bürgermeister Stefan Martus begrüßt. Hier wird Klimafreundlichkeit und Wirtschaft verknüpft. Laut dem neuen Klimaschutzkonzept der Landesregierung soll dies zukünftig auf jeder Gewerbefläche entstehen. „Klimaschutz geht uns alle an!“, so die Kandidatin, „die Wirtschaft kann auch nur so lange erfolgreich wirtschaften, wie Ressourcen vorhanden sind und das hängt ganz eng miteinander zusammen.“

Wegen des verhältnismäßig hohen Bevölkerungsanteils von Menschen mit Migrationshintergrund stellt man sich in Philippsburg die Frage nach dem Heimatbegriff. Ist Heimat da, wo mein Herz wohnt oder meine sozialen Strukturen sind? Selbst für Menschen die hier geboren sind ist diese nicht einfach zu beantworten. Integration ist deshalb ein wichtiger Bestandteil um den Heimatbegriff am Ende definieren zu können, findet BM Martus. Spracherwerb stellt den größten Anteil dar, die Kenntnisse dazu werden in den Schulen vermittelt. Aber auch im Umgang miteinander wird Sprache und Wissen vermittelt, ist also Bestandteil gelingender Integration. Guter Unterricht unter modernen Bedingungen sind dem Stadtoberhaupt wichtig. Daher wird jedeR der 191 LeherInnen in der Gemeinde mit einem Endgerät ausgestattet und die Klassenzimmer mit modernen Präsentationsmöglichkeiten, Endgeräte und Medienwagen ausgestattet. Mit einer Werkrealschule (302 SchülerInnen), einer Realschule (477SuS) und einem Gymnasium (784 SuS), 257 Kinder an Grundschulen, mehrere Kindergärten,-tagesstätten, darunter zwei kommunale Einrichtungen ist die kinderreiche Stadt gut aufgestellt.

Bildquelle: Alexandra Nohl