Klares Bekenntnis zum Theater und zur Kultur in Baden- Württemberg

"Ohne Kunst & Kultur wird's still" ist der Titel der Aktion einer Plattenfirma, die auf die schwierige Situation der Kunst- und Kulturschaffenden seit Beginn der Pandemie aufmerksam machen soll. „Ohne die Kultur in unserer Gesellschaft ist es still und auch dunkel, um nicht zu sagen Zappenduster!“, beschreibt Alexandra Nohl die Situation. Die SPD Landtagskandidatin im Wahlkreis 29 ist passionierte Sängerin und Vizedirigentin im Gesangverein Helmsheim. Schon seit fast einem Jahr sind Probenabende, Auftritte und Treffen untersagt wegen des hohen Ansteckungsrisikos.

Das Grundrecht der Kunstfreiheit einzuschränken ist in dieser Zeit erforderlich. Die Einschnitte ins gesellschaftliche Leben sind notwendig, Kontaktbeschränkungen richtig. Kunst- und Kulturangebote sind jedoch nicht lediglich eine Möglichkeit der Freizeitgestaltung. Kunst- und Kulturangebote liefern den Konsumenten häufig die Plattform, sich mit wichtigen gesellschaftlichen Themen auseinanderzusetzen. Kultur- und Kreativwirtschaft sind außerdem ein dynamischer Wirtschaftszweig der Weltwirtschaft. Ihr Beitrag zur volkswirtschaftlichen Gesamtleistung (Bruttowertschöpfung) in Deutschland betrug im Jahr 2019 106,4 Milliarden Euro (Quelle: Bundesministerium für Wirtschaft).

Einen Beitrag zur Kultur- und Kreativwirtschaft leistet auch die Badische Landesbühne in Bruchsal, die nach dem Spielbeginn im September ihre Vorstellungen schweren Herzens wieder einstellen mussten. „120 Vorstellung wurden verlegt und abgesagt“, so der Intendant Carsten Ramm beim Gespräch mit Alexandra Nohl. Trotz durchorganisiertem Hygienekonzept sind Aufführungen nicht möglich und wurden bis Ende Januar komplett eingestellt. Ein harter Schlag für die Bruchsaler Kulturszene. „Theater muss sein“, sagt Nohl, „denn die Kultur bringt Licht und Farbe in unser Leben und bereichert es.“ Glücklicherweise ist im Falle der BLB eine große Spendenbereitschaft der Theaterliebhaber vorherrschend in Form von nicht zurückgeforderten Abonnements.

Es stellt sich dennoch die Frage, wie es weitergehen soll. Carsten Ramm und der Verwaltungsleiter am Theater, Norbert Kritzer, haben konkrete Vorstellungen, müssen aber abwarten, wie sich das Infektionsgeschehen entwickelt und welche Vorgaben durch mögliche weitere Verordnungen kommen.

Aufführungen im Freien sind in Planung, eventuell schon ab Ostern. Das Atrium in der Innenstadt eignet sich dafür hervorragend, wie beim Kultursommer 2020 zu sehen und erleben war. Beim Sommertheater am Schloss wären Bühnenstücke mit bis zu einem Dutzend Schauspieler*innen denkbar, so Ramm. „Eine Begrenzung von Zuschauern, ist nicht das Wahre für uns“, ergänzt er. Finanzielle Ausfälle, aber auch die Atmosphäre, von der das Theater lebt, könne nicht ohne Weiteres kompensiert werden.

Was fehlt ist das klare Bekenntnis der Landesregierung zu den landeseignen Bühnen. Schließlich ernährt das Theater 75 Mitarbeiter*innen, sowohl auf als auch hinter der Bühne. Derzeit sind allesamt in Kurzarbeit.

„Das Weihnachts-Schauspiel am Theater Bruchsal, das ich mit meinen Grundschulklassen besuche, fällt in diesem Jahr aus“, spricht Alexandra Nohl das Thema an, welches den Kulturschaffenden eine weitere Sorge bereitet. Der Monat Dezember zählt zum Ertragsreichsten der Wintersaison. Viele Schulklassen gehen zu Weihnachten ins Theater. „Bedingt durch die Kurzarbeit und zum Schutz der Theaterpädagogen finden momentan keine Schulkooperationen statt“, bedauert Alexandra Nohl, die im Hauptberuf stellvertretende Leiterin einer Ganztagsgrundschule ist.

Als Lehrerin ist die 45-jährige Nohl permanent mit der Umsetzung einer Unzahl von Regeln und Vorschriften beschäftigt. „Ich bin jedoch als Beamtin privilegiert im Gegensatz zu den Künstlerinnen und Künstlern, die gerade nicht wissen, wie es weitergehen soll“, gibt sie zu. Unwissenheit über Entwicklungen und Einschränkungen führt zu Perspektivlosigkeit und hohe psychische Belastung.

„Wir sind genauso wichtig wie alle anderen Arbeitgeber im Land“, erklärt Verwaltungsleiter Norbert Kritzer mit kritischem Blick auf staatlich finanzierte Rettungspakete für Firmen der Reisebranche, die mit Milliardengeldern gefördert wurden und nun angekündigt tausende Stellen abbauen. „In unserer Branche steigen die tariflichen Löhne, die Fördermittel des Landes und der Träger bleiben dagegen nahezu gleich.“

„Einsparen können wir nichts mehr. Diesen Punkt haben wir schon lange hinter uns gelassen", stellt der Intendant klar, auf die Frage, ob das Tief bereits erreicht ist. „Die Kunst- und Kreativszene liegt brach! Wenn die Landespolitik sich hier weiterhin bedeckt hält, dann wird es nach der Pandemie kulturell Zappenduster bleiben“, äußert sich Alexandra Nohl besorgt und ergänzt: „Dann verlieren wir sämtliche Farbe unseres einst bunten Lebens!“

Bildquelle: Alexandra Nohl